Der “Fall Nasri”: Ein schmaler Grat für Arsenal

Samir Nasri hat einen Vertragsentwurf des FC Arsenal fürs Erste abgelehnt, heißt es. 100.000 Euro pro Woche sind dem Franzosen noch nicht gut genug. (*)
Das schreibe ich ganz ohne süffisanten Unterton. Der Kerl hat eine tolle Saison gespielt und hat seinen Wert. Er dürfte wissen, was er anderswo verdienen könnte und was man ihm dort an – sportlichen und finanziellen – Perspektiven bietet.
Anderswo scheint im konkreten Fall Manchester United zu sein.
Der Meister soll am 23-jährigen Mittelfeldspieler interessiert sein, sucht nicht zuletzt auch aufgrund des Rücktritts von Paul Scholes frische Kräfte für die Zentrale.
Ein Mittelfeld mit Nasri, Nani, Valencia, Anderson und zum Drüberstreuen Giggs? Liest sich lecker.
Doch die Avancen des 19-fachen englischen Meisters treiben dem sonst so ruhigen Arsene Wenger die Zornesröte ins Gesicht. Nie im Leben werde man einen Konkurrenten stärken, sagt der Arsenal-Trainer.
Doch, wie es nun mal so ist, Top-Spieler wechseln von einem Top-Klub eben nicht zu einem Nachzügler, sondern zu einem ebenbürtigen Verein.
“Ich muss erstmal sehen, ob es wirklich Interesse von Manchester United gibt, ob das irgendwie konkret ist. [...] Und dann spreche ich mit dem Verein”, sagt Nasri in der französischen TV-Show Telefoot.
Das kann natürlich ein simples Manöver sein, um aus Arsenal mehr Geld herauszukitzeln. Zahlt mir mehr oder ich spreche mit einem Klub, der uns – wieder mal – den Titel weggeschnappt hat.
Das kann aber auch der offen und ehrlich geäußerte Wunsch nach Veränderung und Erfolg sein. Womit wir wieder bei Nasris eingangs erwähnter Forderung nach Verstärkung wären. Denn wer will schon weiterhin zwar schönen Fußball spielen, in der entscheidenden Phase der Meisterschaft aber mit schöner Regelmäßigkeit auf der Strecke bleiben?
In den letzten drei Jahren forderte ein gewisser Fernando Torres in seiner Funktion als Liverpool-Star die nunmehrigen Ex-Eigentümer immer wieder auf, in die Mannschaft zu investieren.
Der Frust war scheinbar groß beim Spanier, immerhin scheiterte man 2008 im Halbfinale der Champions League, verlor 2009 den Meistertitel im Finish nur knapp an ManUnited, kenterte in der Folge in der Königsklasse, flog danach in der Europa League aus dem Bewerb.
Irgendwann schien Torres an der Anfield Road keine sportliche Perspektive mehr gesehen zu haben. Im Jänner wechselte er unter großem medialen Getöse und um ganz schön viel Geld zu Chelsea. Mit den Reds holte “El Nino” keinen einzigen Titel.
Torres könnte für Arsenal ein warnendes Beispiel, Samir Nasri, wenn nicht jetzt, dann spätestens im Winter Londoner Geschichte sein.
Ein schmaler Grat für die Gunners.
Lässt man sich auf den Poker ein, geht man über die Schmerzgrenze und bindet Nasri an den Klub? ManUnited dürfte es vergangenen Sommer ja mit Wayne Rooney, der plötzlich bei Stadtrivalen City die großen Möglichkeiten sah, so gehandhabt haben.
Oder handelt man nach dem Prinzip “Bis hierher und nicht weiter” und versteift sich auf das ungeschriebene Fußballgesetz: “No player is bigger than the club”…
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(*) In Großbritannien beträgt der Spitzensteuersatz 50 Prozent. Vielleicht auch ein Grund, warum Nasri Arsenals Angebot vorerst abgelehnt hat. Mehr zu den Finanzen der Gunners gibt es in einem ausgezeichneten Beitrag des Swiss Ramblers. Mit dem Thema beschäftigt sich auch das Goonerportal in einem aktuellen Blogpost.