“Fußballer so glaubwürdig wie Politiker”

So schnell kann´s gehen. Eben noch ein Gerücht, eben noch ein wenig dementiert, unterschreibt Christian Fuchs auch schon beim FC Schalke 04.
Der Niederösterreicher soll die linke Abwehrseite der Knappen verstärken, spielt mit den Königsblauen in der kommenden Saison auch in der Europa League mit – der Pokal-Erfolg macht´s möglich.
Eine Verstärkung für den S04 zur rechten Zeit? Wenn man die Ausführungen des Königsblog liest, kann man nur sagen: Oh ja. Und: Warum erst jetzt?
“Seit sechs Jahren spielt Schalke 04 mit Interimslösungen auf der Linksverteidigerposition”, heißt es dort. Nachdem sich Shooting-Star Christian Pander im Frühjahr 2004 verletzte und nie wieder an die Leistungen in seiner Debütsaison 2004/05 anknüpfen konnte, mutierte seine Position zur ewigen Baustelle. Jetzt, in der im August beginnenden Saison 2011/12, soll es nun besser werden. Mit Fuchs.
Wie es bei Transfers meist der Fall ist, mischen sich auch kritische Stimmen dazwischen. “Mit so einer Vorgehensweise werden Fußballer genauso glaubwürdig wie die meisten Politiker”, schreibt der 05er Fanblog.
Und präzisiert: “Fakt ist, dass Christian Fuchs seinen Wechsel selbst initiiert hat. Nachdem er bei den Rheinhessen eine sehr erfolgreiche Saison bestritten hat, ist er nun anscheinend dem möglichen Ruf des Geldes gefolgt und hat seine Ausstiegsklausel genutzt. Prinzipiell war das ganze Geschäft (Leihe von Bochum und Erfolgreiche Spielzeit 2010/11) eine win-win-Situation. Doch hinterlässt dieses Vorgehen bei mir einen faden Beigeschmack – zumal er sich noch vor kurzem von diesen ganzen “Wechselgerüchten” distanziert hat.”
“Kein Platz für Romantik”, meint indes Jörg Schneider von der Rhein-Zeitung. Mainz 05 bleibe auf unabsehbare Zeit ein Ausbildungsverein. “Ein Klub, der Spieler formt, sie auf ein höheres Niveau bringt, sie also verbessert und Gewinn bringend abgibt.”
Nur das Vorgehen des Österreichers – beim Länderspiel gegen Deutschland am vergangenen Freitag einer der Besten – sei “Neuland in Mainz” gewesen, urteilt Schneider: “Plötzlich stellte Fuchs fest, dass er nun anderswo bedeutend höhere Gagen erlangen konnte als die, die ihm am Bruchweg vertraglich zugesichert waren. Der Profi nahm die Geschicke selbst in die Hand, führte ein Interview mit sich selbst, ließ dies von seinem Berater in diverse Redaktionen verschicken und brachte damit den Stein ins Rollen. Eine subtile Bewerbung in eigener Sache.”
Daraus wurden in weiterer Folge Headlines wie “Fuchs spricht mit ‘interessanten Klubs’” oder “Mainz-Star Fuchs: Europas Klubs jagen mich”. 05er-Coach Thomas Tuchel ärgerte sich: “Ein völlig deplatziertes Interview – vom Zeitpunkt und vom Inhalt her.”
Der Karriere von Christian Fuchs, der vor drei Jahren aus dem beschaulichen Mattersburg den Sprung in die Deutsche Bundesliga wagte, hat es jedenfalls nicht geschadet.