stern.de: Diskutiert wird nur mehr auf facebook
Nochmal stern.de.
Vor ein paar Tagen berichtete ich hier an dieser Stelle vom inhaltlichen Relaunch des Nachrichtenportals. Nun lese ich bei Dirk von Gehlen, dass stern.de die Kommentarfunktion komplett zugunsten des facebook-Auftritts aufgegeben hat.
“Ja das stimmt, wir haben uns vor kurzem entschieden, die Kommentarfunktion auf stern.de vorerst nicht mehr anzubieten”, sagt Katharina Rathert, Produktmanagerin bei stern.de.
Grundsätzlich finde ich die Art des Aufrufs zur aktiven Teilnahme an der Diskussion gut.
“Als wir vor gut einem Jahr zusammen saßen und überlegt haben, wie wir stern.de auf Facebook präsentieren, war uns klar, dass wir die Redaktion anfassbar machen wollten. Daraus ist die Idee entstanden, dass unser Nachrichtenchef Dirk Benninghoff morgens einen Videobeitrag zu einem tagesaktuell wichtigen Thema macht. In meinen Videos nachmittags geht es dann meist um Themen, die im Netz diskutiert werden oder unsere Leser auf stern.de besonders interessieren. Häufig steht mir einer der Kollegen zum aktuellen Thema Rede und Antwort – auf diese Weise versuchen wir, der Redaktion auf Facebook ein Gesicht zu verleihen.”
Wie gesagt, eben nur mehr auf facebook. Denn laut Rathert hätte die Qualität der Beiträge in den stern.de-Foren stark nachgelassen: “Anonym abgegebene Kommentare, die sich nicht an ein Mindestmaß der Regeln des menschlichen Miteinanders halten, haben uns die Arbeit zunehmend erschwert.”
Dass die Menschen (in den meisten Fällen) auf facebook Klarnamen (also ihren tatsächlichen Namen) benutzen und sich nicht hinter einem Nickname verstecken, sei ein Grund für die höhere Qualität der Beiträge im Social Network.
Eine Auffassung, die ich nicht zu 100 Prozent teilen kann. Dass man bei facebook in der Auslage steht, scheinen manche zu vergessen oder es ist ihnen schlicht egal. Doch im Großen und Ganzen ist es sicher richtig.
Rathert weist auf die “damit einhergehende soziale Kontrolle” hin: “[...] jeder kann sehen, was und wie ich es geschrieben habe, zu welchen Themen ich was sage. Da will ich mir sicher sein, dazu auch stehen zu können und mich nicht zu blamieren oder dem Spott meiner Freunde auszusetzen.”
stern.de ist kein Pionier, was die Auslagerung der Online-Aktivitäten angeht. Das Männermagazin FHM drehte vor einiger Zeit kurzerhand seine komplette Website ab und ist derzeit nur mehr auf facebook aktiv.
Was ich mich frage: Was tun all diese Unternehmen, wenn es facebook irgendwann nicht mehr gibt?