facebook und seine krankhaften Auswüchse

Eines vorweg: Ich finde facebook und viele andere Social-Media-Dienste richtig gut. Ich schätze den schnellen und unkomplizierten Informationsaustausch. Nirgends sonst, wenn nicht auf facebook, kann ich etwa Fotos so schnell und einfach durchklicken, bewerten, kommentieren. Nirgends sonst, wenn nicht via twitter, erfahre ich sekundenaktuell, was sich gerade in irgendeinem Stadion irgendwo auf der Welt tut.

Toll!

In den letzten Wochen und Monaten machen sich allerdings im Zusammenhang mit Fußballspielen vermehrt rassistische und antisemitische Postings breit. Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber mich beschleicht das Gefühl, dass der nun so richtig beginnende Wiener Wahlkampf, der ja in ganz Österreich – nicht zuletzt auch durch den Einsatz von Social Media – präsent ist, schon jetzt seine Wirkung zeigt.

Rassismus wird (oder ist?) salonfähig. Menschen posten unter ihrem richtigen Namen – und verstecken sich nicht mehr hinter einem Nickname.

Ein Beispiel von vielen: Als einer der Admins der facebook-Präsenz von sportnet.at hatte ich etwa letzten Donnerstag jede Menge zu tun. Der Kroate Nikica Jelavic entschied sich an diesem Tag relativ spontan, den SK Rapid Wien zu verlassen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, das wievielte “Scheiß Jugo”-Posting ich gerade lösche.

Ein weiteres Beispiel, das mir mehr oder weniger zufällig ins Auge sprang, weil ich kurz nach dem 1:1 von Red Bull Salzburg bei Hapoel Tel Aviv in meine facebook-Timeline schaute:


Es mag das Problem nicht an der Wurzel packen, aber in diesem Fall gibt es die simple, aber effektive Möglichkeit: Das Benutzen des “Melden”-Buttons.

Nachtrag, 25. 8.: Von @fcsalzburg wurde ich auf ein weiteres Posting aufmerksam gemacht (Dankeschön!) – zu sehen hier bei den Kollegen von 90minuten.at. Dies sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnt, auch wenn es an den obigen Zeilen nichts ändert.

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4 comments

  1. clemensticar

    Du hast schon Recht. Rassismus wird salonfähig. Aber die Verbindung zu Social Networks für diese Verbreitung mit “verantwortlich” zu machen finde ich nicht ganz okay. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, diese Menschen würden eine andere Möglichkeit finden, ihr politisches Gedankengut zu verbreiten. Dann sind halt Häuserwände oder Mauern beschmiert, oder Transparente in den Fanblöcken zeigen einschlägige Zeichen – solche Blöcke gibt es ja in Österreich.
    Klar, Social Networks vereinfachen diese Verbreitung bis zu einem gewissen Grad. Aber sie vereinfachen die Verbreitung von Gedankengut jeglicher Art.

    • Christoph Luke

      Hi Clemens,

      ich gebe Dir grundsätzlich Recht. Wobei ich Social Media nicht für die Verbreitung verantwortlich mache – die Leute sind schon selbst dafür verantwortlich, wie sie damit umgehen.

      Klar – es gäbe andere Möglichkeiten, seine Meinung zu äußern: Häuserwände, Transparente und ähnliches, wie Du geschrieben hast. Der Unterschied: all das passiert weitgehend anonym.

      In Social Networks posten die meisten Menschen unter ihrem (anscheinend) richtigen Namen und haben in der Regel ein Foto von sich selbst neben dem Posting stehen.

      Das wundert mich schon, dass die Leute da so direkt werden und sich nicht mehr hinter einer anonymen Masse oder einem Nickname verstecken. Ich meine: Bedenkt niemand die möglichen Konsequenzen, wenn er unter seinem Namen – für quasi jedermann sichtbar – “fickt euch, judenschweine” schreibt? (Und das ist – wie oben geschrieben – nur exemplarisch und ein Beispiel von vielen.)

      Was mir noch auffällt: Auf 90minuten.at hat jemand zum entsprechenden Beitrag sinngemäß geposted: “Ja, aber diese Volltrotteln gibts auch bei so manchem Hauptstadtklub.” Und das kann ich wirklich nicht mehr hören/lesen.

      Natürlich stimmt das schon – aber das ist weder ein Salzburger noch ein Wiener Problem, geschweige denn ein Fußballproblem. Dennoch wird hier mit dem Finger auf andere gezeigt und verharmlost. Nach dem Kindergarten-Motto: “Aber die anderen machen das doch auch…”

      Und wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich es dem Israeli (siehe Link oben) nicht mal übelnehmen, wenn er “fuck you nazis” schreibt. Leider.

      Liebe Grüße,

      Christoph

    • Christoph Luke

      zitat aus einem anderen blog:

      “Besonders pikant machte die Stimmung die Bet-Aktion von Hapoel’s Topstürmer Itay Shechter vom Hinspiel. Der Verein verteilte jedem Tel Aviv Fan eine Judenkappe mit dem Vereinslogo. Eine unnötige Provokation!”

      • Alexander Plekhanov

        Die Aktion von Hapoel mit den Kappen finde ich sogar sehr gut, denn jeder Mensch auf dieser Welt hat Recht eine Religion zu haben. Jeder Sportler darf so jubeln, wie er will, man bestraft ja die Christlichen Spieler nicht, die sich bekreuzigen, deshalb fand ich die Aktion mit der gelben Karte unnötig und aufheizend. Als ich an dem Tag diverse Medien gelesen habe, sind mir gerade wegen dieser Aktion sehr viele rassistische, antisimitische und weitere beleidigende Postings aufgefallen, nur weil der Schiedsrichter über die Konsequenzen nicht nachgedacht hat. Noch einmal: jeder sollte das Recht haben so sein wie er will und es ist mir egal ob einer sich bekreuzigt, oder eine Kippa aufsetzt, oder vlt. sogar ein Tepich auf dem Rasen ausrollt, jeder sollte gleichermassen behandelt werden und das verstehen anscheinend sehr viele Europäer nicht…. LG Alex

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