Es geht nicht um Rapid, es geht um die Bundesliga
Dem Krisengeheul rund um Rapid entkommt derzeit fast keine Website, kein Blog, keine Tageszeitung. Wie, warum und wieso die Grün-Weißen so schlecht in die Saison gestartet sind (als wäre das etwas Neues…) erhitzt die Gemüter.
Krise. Wie das schon klingt. Nach 180 Bundesliga-Minuten. Oder, wie Kollege Markus Zottler von Sturm12.at hier sinngemäß anmerkt: Man sollte jetzt auch nicht auf den Gedanken kommen, Sturm Graz schon als Meister zu feiern, weil die Blackies sechs Zähler auf dem Konto haben.
Na eben.
Die aktuellen Ergebnisse sind eine Momentaufnahme. Nach mehreren Wochen Training bei teils brütender Hitze kommen die einen besser, die anderen schlechter aus den Startblöcken. Rapid-Trainer Peter Pacult ist seit Jahren bekannt, seine Spieler in der Vorbereitung nicht zu schonen.
Das Resultat ist, dass seine Mannschaft meist wenig spritzig in die Saison startet, sich steigert und – mit freiem Auge erkennbar – konditionell über alle anderen zu stellen ist. Manchmal geht das gut (wie beim Meistertitel 2008), manchmal reicht es eben nicht (Plätze 2 und 3 in den Folgejahren mit vier bzw. drei Punkten Rückstand auf den Meister).
Der Punkt ist ein ganz anderer – und ein altes Thema: Warum müssen sich Fußballer, die hierzulande ihr Geld verdienen, in fünf bis sechs Wochen die Grundlagen für ein halbes Jahr antrainieren? 19 Runden werden bis 11. Dezember gespielt, die (erhoffte) Europa League bringt weitere Spiele und dauert bis knapp vor Weihnachten.
Zum Vergleich: Die Skirennläuferinnen Marlies Schild & Co starteten Anfang Juni in der Therme Geinberg mit dem ersten Konditionskurs für die kommende Saison – und diese beginnt Ende Oktober.
Deutsche Bundesligisten oder englische Premier-League-Klubs befinden sich seit Wochen auf Trainingslager oder Testspiel-Touren für die Mitte August startende Spielzeit.
Ja, Rapid startete schlecht in die Saison – wie andere Klubs auch (wenn bei manchen aber immerhin die Resultate stimmten). Und ja, man darf natürlich die Frage stellen, ob der eine oder andere Transfer kurzfristig tatsächlich eine Verstärkung sein kann. Aber es geht hier nicht um Rapid.
Denn ohne Zweifel sind die terminlichen Rahmenbedingungen für die Klubs zu hinterfragen. Von einer Ganzjahresmeisterschaft wage ich hier gar nicht zu träumen. Es konnte mir bisher ja noch immer niemand erklären, was gegen eine zumindest bisschen längere Sommerpause spricht.
Trotzdem gute Links zum Thema:
Harte Zeiten in Hütteldorf
Wann reagiert Rapid endlich?
Rapid hat ein Problem
Feuer am Rapid-Dach