Rapids richtige Worte zum sehr späten Zeitpunkt
Seit über eineinhalb Monaten ist Christoph Saurer Spieler des SK Rapid. Ein Transfer, der mit einigen Nebengeräuschen, die bis heute nicht abgeklungen sind, über die Bühne ging. Näheres dazu gibt es hier und hier nachzulesen.
Andy Marek, Klubservice-Chef der Hütteldorfer, nutzte die kurze Sommerpause, um gemeinsam mit Saurer bei unzähligen Fanklubs vorstellig zu werden. Der Vorwurf, der vom LASK nach Wien gewechselte Saurer wäre jahrelang Mitglied eines Austria-Fanklubs gewesen, sei falsch, heißt es seitens des SK Rapid.
Für viele Anhänger der Hütteldorfer, die Saurer seine Austria-Vergangenheit (der Wiener spielte insgesamt zwölf Jahre für diverse Nachwuchsmannschaften der Veilchen) ankreiden, scheinbar nicht genug der kalmierenden Worte.
Schon bei Vorbereitungsspielen wurde Saurer von eigenen Fans mit Bier beschüttet und beschimpft. Rapid sah zu. Lediglich Trainer Peter Pacult, der selbst für die Austria spielte, stellte sich in mehreren Interviews hinter seinen Spieler und prangerte die Vorfälle an.
Nach dem Testspiel gegen Anderlecht, in dem Saurer bei seiner Einwechslung im Hanappi-Stadion ausgepfiffen wurde, wurde der 24-Jährige zu den Amateuren verbannt. Bei den Spielen gegen Suduva und Innsbruck war Saurer nicht dabei.
Am Donnerstag, als Rapid im Rückspiel gegen Suduva bereits nach wenigen Minuten Veli Kavlak verletzt verlor, sprang Saurer in die Bresche und wurde von einem Großteil der Fans auf West- und Ost-Tribüne ausgepfiffen.
Die Situation erinnerte frappant an den 11. November 2006, als nach schlechten Leistungen Rapids Fans von West und Ost den Tribünen zunächst fernblieben und beim Betreten der Fansektoren von vielen Anhängern der beiden Längstribünen ausgepfiffen wurden. Am selben Abend trat Peter Schöttel als Sportdirektor zurück (auch, wenn er hinterher betonte, dass dieser Schritt geplant gewesen war).
Immerhin: Mittlerweile reagiert Rapid auch offiziell. Nicht nur der Trainer findet harte Worte, sondern auch Rudolf Edlinger, Präsident des SCR.
Im aktuellen Rapid-Magazin lässt Edlinger schreiben:
“Eine Sache liegt mir noch sehr am Herzen, die mir in den vergangenen Wochen vor Saisonstart im Magen gelegen ist. Wir haben mit Christoph Saurer einen jungen, talentierten österreichischen Spieler verpflichtet. Doch niemand wird sofort zu einem echten Rapidler, nur weil er sich das grün-weiße Trikot überstreift. Die Anerkennung und Akzeptanz der Fans muss man sich über Leistung erarbeiten. Aber diese Chance sollte jedem Spieler gegeben werden. Auch wenn er wie im Falle Christoph Saurers eine violette Vergangenheit hat. Dieser sympathische junge Mann hat eine faire Chance verdient, allen zu beweisen, dass er zu Recht bei Rapid spielt und mit sportlichen Leistungen zum Gesamterfolg unseres Vereins seinen Beitrag leisten wird.” (Rapid-Magazin, skrapid.at)
Gut so. Doch, dieser Hinweis sei gestattet: Diese Worte hätte man schon nach der ersten Bierdusche finden und öffentlich machen müssen. Vielleicht haben alle Beteiligten für die Zukunft etwas gelernt.