Mediawatch: Pyro & Falschinformationen

Wie ORF und der Boulevard mit zwei unterschiedlichen, aber ganz sensiblen Themen umgehen.

“Schau dir die bengalischen Feuer an. Das ist Stimmung.” Andreas Goldberger hatte am Dreikönigstag sowas von Recht. Denn was in Bischofshofen beim Finale der Vierschanzentournee abging, war wieder mal erstklassig. Da passte dann auch das Ergebnis. Tagessieg an Thomas Morgenstern, Gesamtsieg an Andreas Kofler.

Der ORF-Kommentator schwieg, als Goldberger von der Pyrotechnik schwärmte. Ein Zufall? Denn seit 4. Jänner ist der Gebrauch von pyrotechnischen Gegenständen im Rahmen von Sportveranstaltungen strikt verboten. Was zuerst eine “Lex Fußball” zu werden drohte, wurde letztlich auf alle Sportevents ausgeweitet.

In Bischofshofen flogen unmittelbar nach Gregor Schlierenzauers zweitem Sprung einige Bengalen in den Auslauf. Nicht auszudenken, welches Drama der ORF daraus gemacht hätte, wäre dies im Rahmen eines x-beliebigen Fußballspiels in der Bundesliga geschehen.

Spaßig – obwohl es die Angelegenheit wahrhaftig nicht ist – gibt sich die Tageszeitung Österreich am Donnerstag. Auf Seite 14 berichtet man über den Prozess gegen 93 Rapid-Fans, schreibt im Bildtext:

“Rechts: Einpeitscher Oliver P. Links: Der harte Kern des Rapid-Anhangs beim Angriff im Mai.”

Dumm nur, dass der gezeigte Herr nicht Oliver P. ist. Weniger dumm, sondern schon beinahe skandalös, dass das kleinere Bild nicht den “Angriff im Mai” zeigt, sondern einen von vielen Märschen der Rapid-Fans zum Wiener Derby im Horr-Stadion.

“Mitzi, schau kurz weg”, 30. August 2009 >>

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8 comments

  1. Pingback: Der garantiert erste und einzige und somit allerletzte Jahresrückblick « Fußball-Extern.at
  2. wint0r

    Es lebe die Doppelmoral der Presse – über selbige beschwerten sich die Anhänger eines deutschen Erstligisten auf einem Plakat nach eben genanntem Match von Galatasaray.

    Hier in Österreich entwickelt sich eine ähnliche “Kultur” – Pyrotechnik als Vorwand für Polizeirepression,bitte was soll denn der Bockmist?!

    Ich schliesse (…aus Sicherheitsgründen,ich möchte nicht meinem Ruf als “kriminelles Objekt” gerecht werden und hier zu fluchen anfangen,weil mich dieses Thema sehr aufregt) mit ein,zwei Bildern:
    http://www.tornadosrapid.at/bilder/matches/2009_10_31_Rapid_Ried_17.jpg
    http://austria80.com/0911080018b.jpg

    und mit ein wenig Humor:
    http://www.austriansoccerboard.at/index.php?app=core&module=attach&section=attach&attach_rel_module=post&attach_id=30521

    Grüße! ;)

  3. maziarworld

    In Fußball ist halt die Atmosphäre ein bisschen geheizt. Die beteiligten Personen sollten besonnen reagieren und den Spaß soweit möglich zulassen. Die Journalisten müssen eigentlich auf der Seite der Menschen stehen, aber die Realität ist eine bittere Wahrheit, auch in der Politik.

    http://maziarworld.wordpress.com

  4. Sepp Osterhasi

    Diesen ganzen scheinheiligen Häusln gehört mal ordentlich der Marsch geblasen.
    Gerade Pariasek und Polzer sind dafür bekannt, von der “super Stimmung und den tollen Fans” in Kitzbühel/Schladming zu sprechen.

    Und genau die gleichen Reporter sprechen dann bei Fußballmatches von den “unverbesserlichen Fans”.

    Kein Wunder: sitzen doch ua. die von mir genannten Herren in den diversen VIP-Clubs mit anderen wichtigen Personen. Und die VIP-Clubs bei Schirennen sind halt mal “feiner” ausgestattet wie in einem Stadion.

  5. Hotzi

    Das Thema ist ja nichts Neues!
    Letztes Jahr im Europacup: Bremen in St.Etienne- Bremer Fans zünden Bengalen: Moderator: Hooligans, Raudaubrüber usw
    Gleicher Abend, gleicher Bewerb: Galatasaray: HSV: ca 10 mal siviele Bengalen: Moderator: Sehen sie sich diese fantastische Stimmung an, traumhaft!

    Auch die Unterscheidung zwischen Skisport und Fußball erscheint logisch. In einem betonierten Stadion mit zugeordnetem Sitz, in dem man eben steht und jeder 1 Meter Platz hat, ist es gefährlicher einen Bengalen zu zünden als auf einer Skipiste wo auf einem Quadratmeter 5 Leute stehen, die sich gerade auf der Steigung halten können. ACHTUNG IRONIE

    • Christoph Luke

      Es ist tatsächlich nicht neu, aber es durchaus wert, immer wieder darauf hinzuweisen.

      Spannend ist aber tatsächlich der Vergleich zwischen dem Spiel in St. Etienne und Istanbul. Bei Galatasaray wurde sicher auch von der “südländischen Stimmung” gesprochen, oder?

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