Rapid & Sturm: Die Party-Fraktionen sind sich nicht ganz grün

Nach den Jubiläumsspielen gegen Schalke 04 und Liverpool FC überlegt man bei Rapid, sich ab sofort jedes Jahr mit einem prominenten Gegner selbst zu beschenken. Ein Umstand, der von Fans kontrovers diskutiert wird. In Graz hofft man wohl, dass nicht erneut ein Bundesliga-Spiel verschoben wird.

Knapp 50.000 Fans sahen das Spiel zwischen Rapid und Liverpool sehen, 17.500 verfolgten die Partie der Grün-Weißen gegen Schalke. Dazwischen kamen wenigstens 13.500 Menschen zum Hinspiel in der Europa League gegen Schkodra.

Rapid ist dieser Tage omnipräsent. Der ORF zeigte beide Jubiläumsspiele live im TV. Tags darauf brachte Radio Wien zur Mittagszeit eine Sondersendung über den aktuellen Vizemeister. Einen Tag später erklärte Klub-Präsident Rudolf Edlinger, er könne sich vorstellen, ab sofort jedes Jahr eine Top-Mannschaft nach Wien einzuladen.

Gefeiert wurde wie in der Champions League

Kein Wunder, immerhin soll Rapid dank Schalkes und Liverpools Hilfe rund 600.000 Euro eingenommen haben. Im Rahmen der Testspiele wurde eifrigst die Werbetrommel für Dressen und die anstehenden Heim- und Auswärtsspiele gerührt. Schals und Leiberln gingen weg wie die warmen Semmeln. Nach dem 1:0 gegen Liverpool wurden die Rapid-Spieler gefeiert, als hätte Grün-Weiß soeben die Champions League gewonnen. Die Bilder wurden – dem FC Liverpool sei Dank, dem klarerweise das internationale Interesse galt – live in 25 Länder übertragen. Für Rapid ein kaum zu bezahlender Werbeeffekt.

In Online-Foren wie Du-bist-Dein-Sport.at, rapidfans.at und anderen regt sich allerdings Unmut über die Ideen von Edlinger. Nicht nur bei Anhängern anderer Klubs, denen der Party-Marathon anlässlich des 110. Jubiläums ohnehin ein Dorn im Auge ist, sondern auch bei jenen, die dem grün-weißen Lager zuzuordnen sind. Man solle es nicht übertreiben, da die letzten Wochen die Geldbörse ohnehin schon genug strapaziert hätten, ist eine Meinung von vielen.

Kommerz hin oder her – die Kasse stimmt!

Wo der im Fußball viel zitierte Kommerz beginnt und Rapid – das sich in den letzten Jahren stets als letzte Bastion im Kampf gegen die finanzielle Übermacht anderer Vereine positioniert hat – dieses Spiel mitmacht, daran scheiden sich die Geister. Die Hütteldorfer scheinen jedenfalls an Tests mit prominenten Gegnern Gefallen gefunden zu haben. Wohl auch, weil diese auf einen Schlag mehr Geld einbringen als zehn Vorbereitungsspiele gegen Landesligisten.

Klubs wie Manchester United und Chelsea, von denen Edlinger für 2010 träumt, haben Spiele in der Vorbereitung längst als lukrative Einnahmequelle erkannt. Liverpool kam wohl nicht nach Wien, weil ihnen die Stadt so gut gefällt, sondern weil die Kasse stimmt. Von der Asien-Tour, die unmittelbar nach Schlusspfiff im Prater startete, ganz zu schweigen.

“Feuerwehrfest” in Graz

Was Rapid derzeit fast bis zum Exzess betreibt, wünscht man sich bei Sturm Graz zumindest ansatzweise. Die Grazer feiern heuer ihren 100. Geburtstag, hatten Werder Bremen zu Gast, drapierten rund um das Spiel Miss-Wahlen, Bieranstich und andere Lustbarkeiten. Dies sei am ehesten mit einem Feuerwehrfest zu vergleichen, schrieb der Fan-Blog Sturm12.at.

In der steirischen Hauptstadt blickte man zum Bundesliga-Auftakt durch die Finger. Das erste Spiel der neuen Saison hätte den Grazern ausgerechnet Rapid Wien beschert. Die Rapidler spielten aber lieber gegen Liverpool – koste es, was es wolle. “Ich hab klipp und klar gesagt: Wenn ihr uns den Termin nicht genehmigt, treten wir gegen Sturm nicht an! Dann wäre das Match eben mit 0:3 gewertet worden und wir hätten trotzdem gegen Liverpool gespielt”, wird Rudolf Edlinger in der SportWoche zitiert. Geht´s noch?

Kritische Betrachtungen unerwünscht?

Man lenkte ein, das Spiel gegen Sturm wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Nicht ganz so flexibel, aber genauso herrlich provinziell, zeigten sich die Vereine an einer anderen Front. Sturm12.at wurde als so genannte “Klub-Homepage” der Bundesliga-Ausweis – eine Dauerakkreditierung, mit der der Zutritt in jedes Stadion möglich ist – per Manager-Beschluss verwehrt.

Dass Sturm12.at ja auch die Gegner der Blackys beleuchtet und über die Geschehnisse in der Liga kritischer berichtet als so manches Tagesmedium, scheint egal zu sein. Oder nicht erwünscht?

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